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Etwas fürs Herz

12.09.2021

Wenn in einem Satz „Porsche“, „25-Jahr-Jubiläum“ und „limitierte Edition“ steht, ist klar: Es gibt so richtig was zum Feiern. Happy Birthday, Boxster!

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Im Jahr 1996 ging der Porsche Boxster in Serie, mittlerweile sind wir bei mehr als 357.000 Einheiten und der vierten Generation angelangt. So dramatisch, wie sich Porsche als Marke seitdem verändert hat, so sehr hat sich auch das Standing des Boxster verändert. Anno dazumal eher als Damenfahrzeug belächelt, hat er sich, umgeben von SUVs und Elektroraketen, gemeinsam mit seinem Bruder Cayman zum vielleicht glaubwürdigsten Markenbotschafter entwickelt.

Beim Kontakt mit der jüngeren Generation ist das gut erkennbar. Völlig unbelastet von überworfenen Vorurteilen huldigen sie dem Porsche durch eindeutige Gestik und Mimik. Nur einmal war „Porsche für Arme“ zu hören. Dieses zum Himmel schreiende Unwissen kann durchaus ein Segen sein, das Jubiläumsmodell wechselt erst nach Überweisung von stolzen 119.328 Euro seinen Besitzer. Dass hier angesichts einer auf 1.250 Exemplare limitierten Edition aller Voraussicht nach in eine Wertanlage investiert wird, mag etwas zur Linderung beitragen. Mehr noch aber tut das der Boxster „25 Jahre“ selber. Er basiert auf dem GTS-4.0-Modell, und recht viel mehr muss man nicht mehr wissen. Was grob unfair gegenüber den visuellen Schmankerln ist. Nicht zu übersehen sind die kupferfarbenen Akzente an Frontschürze, Lufteinlässen und den 20-Zoll-Rädern. Zumindest so lange nicht, bis sich das rote Stoffverdeck in zehn Sekunden öffnet und eine perfekt verarbeitete bordeauxrote Lederinnenausstattung freilegt.

Dreh- und Angelpunkt ist der 4.0-Liter-Sechszylinder- Boxermotor. Er hat 400 PS und ein bei 5.500 Umdrehungen anliegendes maximales Drehmoment von 430 Newtonmeter. Mindestens genauso beeindruckend ist, was er nicht hat, zum Beispiel einen Turbo, irgendwas Hybrides oder auch jedwede Form von Zurückhaltung. Sie wird schon beim Start ad acta gelegt, wo der Boxster die erweiterte Nachbarschaft je nach Neigung verzücken oder verärgern wird. Der Sound des Sechszylinders ist schlicht atemberaubend, mit offenem Verdeck noch sinnlicher und in den Asfinag-Röhren eine Ode an vergangen geglaubte Zeiten. Die Fahrleistungen sind wenig überraschend grenzgenial. Das Konglomerat aus 7-Gang-Automatik, Sport Chrono-Paket, Sportfahrwerk inklusive Tieferlegung und das Porsche Torque Vectoring mit mechanischer Hinterachs- Quersperre setzten Überlandfahrten bei Bedarf mit Astro nautentraining gleich. Spielerisch macht der Boxster aus uns einen Rennfahrer, auf Knopfdruck auch mit langer Leine, aber immer auf der sicheren Seite. Dabei schafft es der Porsche, uns das Gefühl zu geben, wir hätten alles selber im Griff. Danke dafür. Der Porsche Boxster „25 Jahre“ ist wie zu erwarten ein zutiefst emotionales Auto. Rational denkende Menschen werden sich vielleicht am Preis oder dem etwas angestaubten Infotainment stören. Design, Antrieb und Dynamik aber gehen direkt ins Herz. Wen das nicht packt, der kann ja weiter Plug-in-SUVs fahren.

Autor/in: OLIVER WEBERBERGER

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