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© Pete Linforth auf Pixabay

Im Windschatten des Virus

15.04.2020

Wie spannend: Eine interaktive Weltkarte, die immer aktuell anzeigt, in welchen Ländern wie viele Menschen mit COVID-19 infiziert sind und wie viele daran gestorben sind. Da klick ich doch schnell mal drauf, wenn mir ein Freund den Link per Whatsapp oder als Anhang in einem E-Mail schickt – Riesenfehler!

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Die interaktive Corona-Weltkarte verheißt nichts Gutes. Sie installiert auf dem Computer eine Malware namens AZORult, die Informationen wie Usernamen und die dazugehörigen Passwörter, Kreditkarteninformationen oder den Browser-Verlauf des Computers abgreifen. Und das Ganze sieht so unverdächtig aus, weil die Karte grafisch und inhaltlich perfekt gemacht ist, sodass Otto Normal-User nichts vom Datenklau bemerkt.
Derzeit gibt es unzählige stark infektiöse Bedrohungen im Cyberraum, die sich die Verunsicherung rund um Corona zunutze machen. Dass wir uns in einem dauerhaften Alarmzustand befinden und von den Worten Corona und Covid-19 magisch angezogen sind, macht uns anfällig für allerhand Müll unter diesem Mäntelchen. Das kann in Unternehmen, aber auch Behörden, die ihre Mitarbeiter eilig ins Homeoffice befördern mussten, Schaden anrichten. Dort wird oft mit alten oder privaten Computern und ebensolchen Programmen gearbeitet, und der Büroalltag wird durch Messengerdienste und Videokonferenz-Programme improvisiert. So wurde schon bekannt, dass eine Videokonferenz des bayrischen Innenministers zum Thema Corona ungeschützt online stand. Das c’t Magazin für Computertechnik hat sich dort eingeloggt. Schnell kann man sich etwa eine Malware einfangen, die wichtige Firmeninfos abgreift. Oder das Homeoffice des Buchhalters bekommt ein vermeintliches Mail aus dem Homeoffice vom Chef, der eine rasche Überweisung anordnet – und das Geld landet am Konto von Betrügern.
Auch Falschinformationen rund um das Virus verbreiten sich aktuell schneller als das Virus selbst. Einige Beispiele: Covid-19 sei in einem Labor in Wuhan gezüchtet worden, um die Unruhen in Hongkong einzudämmen; Bill Gates habe schon vor Jahren gewusst, dass das Virus kommen und eine Pandemie auslösen werde, zudem habe er ein Medikament gegen Covid-19, und in einem offenen Brief habe er geschrieben, das Virus sei der große Korrektor und erinnere uns an wichtige Lektionen, die wir schon vergessen hätten; das Virus sei völlig harmlos; wer zehn Sekunden ohne zu husten die Luft anhalten kann, hat kein Corona; man dürfe Polizeikontrollen während der Ausgangssperren ignorieren etc. Und das Perfide daran: Sehr viele dieser „News“ haben es sogar in seriöse Medien geschafft.
Was lernen wir daraus? Einerseits, dass sich Bill Gates hervorragend für die Verbreitung von Verschwörungstheorien eignet und dass Homeoffice für alle gewisse Gefahren in sich birgt. Andererseits, dass wir derzeit nicht nur beim Verlassen der Wohnung, sondern auch beim Benutzen unserer technischen Geräte ganz besonders vorsichtig sein sollten, um uns nicht mit etwas anzustecken – sei es mit einem Virus oder einer nicht zu beweisenden Theorie, die irgendwem nützt, aber sicher nichts zur Bewältigung dieser Krise beitragen wird.
Übrigens: Die interaktive Weltkarte mit den aktuell Infizierten gibt es auch ohne den Preis der eigenen Daten. Die Hacker greifen nämlich für die Verbreitung ihrer Malware auf eine Karte der Johns Hopkins Universität zu, die völlig clean ist. Sie ist unter ­coronavirus.jhu.edu/map zu finden und wirklich einen Klick wert.

Autor: 
Alexandra Rotter