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© Fotos: Simonis Wien / Mercer Austria Illu: Getty Images Infografik: Markus Bürger; Quelle: Mercer Austria GmbH

Markterholung bei Vorsorgekassen

05.04.2021

Fast alle Vorsorgekassen können die Markterholung nach den Einbrüchen im März 2020 nutzen. Für eine aussagekräft ige Beurteilung ist aber eine langfristige Beobachtung nötig.

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Das Jahr 2019 war für die Betrieblichen Vorsorgekassen ein außergewöhnlich erfolgreiches. Auch ohne Corona wäre es wohl schwierig gewesen, das durchschnittliche Marktergebnis von 5,74 Prozent noch einmal zu wiederholen. Dennoch ist das Ergebnis der insgesamt acht Betrieblichen Vorsorgekassen nach den Einbrüchen im März des Vorjahres vorwiegend positiv. Die Bandbreite der Performanceergebnisse liegt zwischen minus 0,32 und plus 2,89 Prozent. Als Unternehmen bei der Wahl einer Vorsorgekasse nur auf das Ergebnis eines einzelnen Jahres zu schauen liefert jedoch wenig aussagekräftige Anhaltspunkte. Was sind also die entscheidenden Punkte, die die einzelnen Vorsorgekassen voneinander unterscheiden?

ACHT VORSORGEKASSEN ZUR WAHL

Zuerst zu den grundlegenden Fakten: Die Betrieblichen Vorsorgekassen veranlagen und verwalten die Beiträge zur „Abfertigung neu“, die wie die Firmenpension zur zweiten Säule der Altersvorsorge gehört und damit die staatliche Pension und private Vorsorgeleistungen ergänzt. Im Gegensatz zum alten System, bei dem die Abfertigung im Unternehmen selbst angespart wurde, werden die Beiträge bei der Abfertigung neu in eine Betriebliche Vorsorgekasse eingezahlt, die die Gelder treuhändisch anlegt. Grundsätzlich hat jeder Erwerbstätige Anspruch auf eine Abfertigung. Das bedeutet für die Unternehmen, dass sie für jeden Mitarbeiter monatlich 1,53 Prozent des Bruttoentgelts an eine der Vorsorgekassen zahlen müssen. In Österreich stehen dafür acht Vorsorgekassen zur Auswahl: die Allianz, die APK Vorsorgekasse, die Bonus Vorsorgekasse, die Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK), Fair-finance, die Niederösterreichische Vorsorgekasse (NÖVK), die Valida Plus AG und die VBV Vorsorgekasse.

POSITIVE TENDENZ

Im Vorjahr erzielte die VBVVorsorgekasse als bester Anbieter eine Performance von 2,89 Prozent. Das geht aus einer Analyse hervor, die das Beratungsunternehmen Mercer durchgeführt hat. Auf den Rängen zwei und drei liegen APK mit 1,84 Prozent sowie die Bonus VG 2 mit 1,72 Prozent. Im Durchschnitt aller Vorsorgekassen lag die Rendite bei 1,37 Prozent. Die Gesamtbandbreite liegt zwischen 2,89 Prozent und -0,32 Prozent. „Ende September des Vorjahres waren alle Vorsorgekassen noch im negativen Bereich. Im November und Dezember ist es dem Großteil der Vorsorgekassen gelungen, noch einiges an Performance mitzunehmen und eine positive Tendenz zu erzielen“, sagt Michaela Plank, Expertin für betriebliche Altersvorsorge bei Mercer Österreich.

VERANLAGUNG ZU DEFENSIV

Nicht zufrieden ist die Expertin allerdings bei der Betrachtung der Ergebnisse über einen Zeitraum von fünf Jahren. Denn ein längerer Beobachtungszeitraum ist auch relevant für die Auswahl einer Vorsorgekasse. „Hier liegen wir bei nur ein bis zwei Prozent, das ist für den Vorsorgebereich ein nicht akzeptabler Wert“, bestätigt Plank. In konkreten Zahlen bedeutet das: Bei der Performance über fünf Jahre landet die APK mit 2,5 Prozent auf Platz eins, dahinter folgen die VBV mit 2,4 und die NÖVK mit 2,04 Prozent. Einer der Hauptgründe für diese niedrige Performance ist laut Plank die kurze Veranlagungsdauer der Vorsorgekassen sowie die Kapitalgarantie und die damit einhergehende defensive Veranlagungsausrichtung. Darüber hinaus wären Ergänzungen bei den Veranlagungskriterien notwendig. „Die Aufnahme von Private Markets wie bei den Pensionskassen könnte zum Beispiel zu besseren langfristigen Ergebnissen führen“, sagt die Expertin.

Die Kostenkonditionen innerhalb einer Vorsorgekasse sind einheitlich. „Vergleicht man die Vorsorgekassen untereinander, zeigen sich speziell bei den Vermögensverwaltungskosten unterschiedliche Konditionen. Diese sind aber in der Performance bereits berücksichtigt“, erklärt Plank.

VBV LANGFRISTIG VORNE

Der unabhängige Versicherungsmakler und Berater GrECo International AG hat die heimischen Vorsorgekassen im Vorjahr ebenfalls durchleuchtet. Hier kann die VBV langfristig das beste Ergebnis aller seit 2003 aktiven Vorsorgekassen einfahren. „Für Berechtigte ergab sich bei uns auch das beste langfristige Ergebnis mit durchschnittlich 2,88 Prozent pro Jahr“, so Andreas Zakostelsky, CEO der VBVVorsorgekasse. Warum die VBV auf lange Sicht punkten kann, erklärt Zakostelsky so: „Wir sind als Pionier in Sachen nachhaltiger, ertragreicher Veranlagung seit 2002 aktiv. Unsere Vorsorgekasse setzt seit Beginn ihrer Geschäftstätigkeit mit einem erstklassigen Veranlagungs-Team auf nachhaltige Investments.“

Apropos Nachhaltigkeit: Jedes Jahr prüft und zertifiziert die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) in Bezug auf Nachhaltigkeit. Geprüft werden dabei drei Bereiche: Grundsätze und Methodik, das Portfolio sowie das Umfeld. Sechs Auszeichnungen in Gold und zwei in Silber im Jahr 2020 zeugen vom kontinuierlichen Engagement der Kassen auf dem Gebiet der nachhaltigen Veranlagungen. Mit Gold prämiert wurden die Vorsorgekassen von Allianz, Bonus, fair-finance, NÖVK, Valida und VBV.

 

Autor/in: 
MARKUS MITTERMÜLLER