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© Thomas Ulrich/Pixabay

Wie Unternehmen TikTok, Clubhouse und Co. nützen können

02.04.2021

Soziale Netzwerke und Trend-Apps sind mehr als nur ein Zeitvertreib für junge Menschen. Davon können Unternehmen profitieren. Facebook, Instagram oder TikTok bieten genügend kreativen Raum, um mit der eigenen Zielgruppe in Kontakt zu treten, die Markenwahrnehmung zu stärken und potentiellen Fachkräftenachwuchs direkt anzusprechen. Wie das geht, erklärt der Marketingexperte Frank Sterzinsky in einem Gastbeitrag.

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Mit dem Smartphone ist es heutzutage möglich, jederzeit und praktisch von jedem Ort aus ins Internet zu gehen. Dabei verbringen die Nutzer immer mehr Zeit in den sozialen Netzwerken. Die Millenials sind die erste Generation, die mit den digitalen Medien aufgewachsen ist und insbesondere die sozialen Netzwerke intensiv nutzt. Das Marktforschungs- und Beratungsinstitut TNS hat im Rahmen der Studie Connected Life 60.000 Onliner zu ihrem Nutzungsverhalten befragt. Demnach sind die Digital Natives weltweit 3,2 Stunden täglich online, in Deutschland sind es 2,8 Stunden. Einer Umfrage von Readly zufolge, verbringen sie täglich allein 126 Minuten auf Facebook, Twitter und Instagram. Dabei sind die sozialen Netzwerke längst nicht mehr nur Zeitvertreib, sondern ein wichtiges Medium zur Information, Meinungsbildung und für die Jobsuche. Damit erweisen sich die sozialen Medien für Unternehmen als ein ernstzunehmendes Marketinginstrument. Firmen haben die Qual der Wahl aus einer Vielzahl von Plattformen auszuwählen – und immer wieder kommen neue Trend-Apps hinzu –  wie etwa Snapchat, TikTok oder aktuell Clubhouse – die Potentiale bieten.

Zielgruppe berücksichtigen bei der Wahl sozialer Netzwerke und Trend-Apps

Unternehmen können die Apps effektiv nutzen, um Präsenz zu zeigen und Aufmerksamkeit zu generieren, sei es zur Kundengewinnung bzw. -bindung oder um potentielle Nachwuchsfachkräfte anzusprechen. Allerdings ist nicht jedes soziale Netzwerk für jedes Unternehmen geeignet. Ob Facebook, Twitter oder TikTok: Jede Ziel- und Altersgruppe ist auf den jeweiligen Plattformen unterschiedlich stark vertreten. Das Durchschnittsalter von Facebook-Usern liegt beispielsweise inzwischen bei 33 Jahren. Dagegen sind rund 70 Prozent der aktiven TikTok-Nutzer zwischen 16 und 24 Jahre alt. Unternehmen sollten ihre Zielgruppe sehr gut kennen und wissen, in welchen sozialen Netzwerken sie sich bewegt. Hierfür bildet eine Zielgruppenanalyse die entscheidende Basis. Davon einmal abgesehen, bieten die jeweiligen Plattformen den Unternehmen unterschiedliche Potentiale und Möglichkeiten, mit ihrer Zielgruppe in Kontakt zu treten. Für das Employer Branding eignen sich inzwischen längst nicht nur die Karrierenetzwerke Xing und LinkedIn. Bildnetzwerke wie Pinterest oder Instagram, Videoplattformen wie Youtube, oder Trend-Apps wie Snapchat, TikTok oder Clubhouse bieten ebenso kreativen Spielraum, mit dem sich Unternehmen als attraktive Arbeitgeber präsentieren können. Da die Netzwerke aufgrund des Algorithmus regelmäßig mit Content befüllt werden müssen, sollten sich Unternehmen entsprechend ihrer Zielgruppe auf die individuell wichtigen Kanäle beschränken.

TikTok, Snapchat und Co. nutzen, um potentielle Bewerber anzusprechen

Gerade infolge des demografischen Wandels, sehen sich viele Firmen vor die Herausforderung gestellt, geeignete Fachkräfte und Lehrlinge in der jüngeren Generation zu rekrutieren. Abseits von Stellenausschreibungen und der eigenen Firmenwebseite eignen sich soziale Netzwerke nicht nur zum Social Recruiting, sondern auch um bestehende Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden. Dies gelingt, indem Beiträge einen authentischen Blick hinter die Kulissen und einen Einblick in den Arbeitsalltag gewährleisten, beispielsweise mit Bildern von Mitarbeitern oder Arbeitsplätzen auf Facebook oder Instagram. Auf TikTok können Unternehmen mit sehr junger Zielgruppe (beispielsweise Startups) eine Challenge starten, um Nutzer zum Teilen von Content und Videos zu animieren. Bekanntestes Beispiel ist die Challenge #MachDichZumOtto, die der Versandhandel OTTO gestartet hat. Gerade TikTok ist durch aktuell noch geringen Wettbewerb sehr gut zur Präsentation von Unternehmen geeignet. Auch auf Snapchat bewegen sich primär Millenials: 81 Prozent von ihnen sind jünger als 35 Jahre. Anders als auf Facebook oder Instagram gibt es keinen Newsfeed, sodass Nutzer nicht von anderem Content abgelenkt werden. Die Snaps, das sind Texte, Bilder oder Emojis, sind nur 10 Sekunden sichtbar, Snapchat-Stories dagegen 24 Stunden abrufbar. Durch die begrenzte Verfügbarkeit widmen die User den Inhalten ihre volle Aufmerksamkeit. Genau hier können Unternehmen anknüpfen und auf ihre Marke aufmerksam machen. Aktuell im Trend ist die App Clubhouse, mit der sich Nutzer bei Live-Podcasts aktiv an Talks und Diskussionen beteiligen können. Die Gespräche sind nur live verfügbar und werden nicht aufgezeichnet. Der direkte persönliche Austausch für Brands ist interessant, beispielsweise um das eigene Unternehmen vorzustellen und das Commitment zu bestimmten Themen auszudrücken. Allerdings bedarf es für die Nutzung aktuell noch einer exklusiven Einladung. Dass Audio-Only-Formate boomen zeigt sich auch jüngst in der Übernahme von Betty Labs durch Spotify. Betty Labs hat eine App für Live-Audio-Diskussionen über Sport entwickelt. Spotify möchte daraus eine Art Clubhouse-Klon kreieren, wobei die Talks über Spotify langfristig verfügbar bleiben sollen. Das zeigt, dass insbesondere das Audio-Format künftig an Bedeutung hinzugewinnen wird.

Für jede Social-Media-Plattform passende Inhalte generieren

Hinsichtlich des Corporate Branding bieten Beiträge in den sozialen Netzwerken die Möglichkeit, unaufdringlich über die eigene Marke zu informieren und mit Branchennews, Expertenwissen, Insiderinfos, Antworten auf häufige Fragen oder Tipps, Anleitungen und Anwendungsbeispielen einen Mehrwert für die Nutzer zu generieren. Wie die Inhalte aufbereitet werden, hängt dabei wesentlich von der jeweiligen Social-Media-Plattform ab. Die Kunst liegt darin, Content zu generieren, der für die Zielgruppe hilfreich, relevant und unterhaltend ist – und im besten Fall zum Teilen, Liken und Kommentieren einlädt.

Statt denselben Inhalt für alle Kanäle zu verwenden, sind die Inhalte so zu gestalten, dass sie zur jeweiligen Plattform und den entsprechenden Nutzergruppen passen. Die Einrichtung eines eigenen Youtube-Kanals kann zum Beispiel sinnvoll sein, um Bestands- und potenziellen Neukunden regelmäßig Anleitungs- oder Erklärvideos zu den eigenen Produkten zur Verfügung zu stellen. Auf Bildnetzwerken wie Instagram oder Pinterest bieten sich hingegen informative oder unterhaltsame Checklisten und Infografiken an.Mittlerweile bieten nahezu alle Social Media-Kanäle auch die Möglichkeit, direkt auf die Unternehmensseite zu verlinken. So können aktuelle Stellenanzeigen veröffentlicht und Interessenten per One-Klick direkt zu einem Bewerbungstool weitergeleitet werden.

Fazit: Die Präsenz in den sozialen Medien sollte immer zur Unternehmens-DNA passen und sich stimmig in die bisherige Unternehmenskommunikation einfügen. Alle Social-Media-Aktivitäten müssen professionell und ernsthaft behandelt werden – Nutzer spüren schnell, ob ein Unternehmen mit Herzblut dabei ist oder nicht. So kann beispielsweise auch für die Social-Media-Strategie ein Businessplan erstellt werden.

 

Über den Autor: Frank Sterzinsky leitet seit Januar 2021 die Unit Brand Marketing bei der Löwenstark Online-Marketing GmbH. Die Full-Service-Agentur hat in 18 Jahren über 2.500 Kundenprojekte erfolgreich realisiert. An inzwischen 10 Standorten im gesamten D-A-CH-Gebiet werden sowohl SEO-, SEA-, Affiliate-Marketing-, E-Mail-Marketing- als auch Social Media- und Branding-Strategien in Programmatischen Kampagnen für Kunden aller Branchen entwickelt und betreut.