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"Die Situation an den Börsen dürfte bis auf Weiteres volatil bleiben", sagt Dieter Wimmer, Leiter Sales Österreich bei Comgest​.
"Die Situation an den Börsen dürfte bis auf Weiteres volatil bleiben", sagt Dieter Wimmer, Leiter Sales Österreich bei Comgest​.
© Comgest

Wo Investoren jetzt Chancen winken

23.07.2020

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben die Börsen weiter im Griff. Vor allem die Unsicherheit über die weitere Entwicklung sorgt für Nervosität. Wo Prognosen schwierig werden, helfen harte Fakte, meint Dieter Wimmer, Leiter Sales Österreich bei Comgest​ in seiner Analyse. 

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Beim Investieren kommt es einmal mehr auf die Qualität der Unternehmen an. Selten war der Vergleich mit einer Achterbahnfahrt an den globalen Finanzmärkten so zutreffend wie in diesen Tagen. Schließlich haben der Kampf um die Eindämmung des hochansteckenden Coronavirus und seine Auswirkungen auf die Weltwirtschaft die Entwicklung an den internationalen Märkten seit Mitte Februar weitgehend dominiert. Führende Indizes wie der Dow Jones, der S&P 500, der Euro Stoxx 50 oder der deutsche Leitindex Dax brachen zeitweise um bis zu zwölf Prozentpunkte ein, als die Viruserkrankung immer größere Bereiche der Weltwirtschaft erfasst hatte und folglich zu einem dramatischen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten führte.

Auslöser dieser drastischen Kurseinbrüche innerhalb nur weniger Tage war eine toxische Mischung aus Gewinnwarnungen zahlreicher Unternehmen, gekürzten Wachstumsprognosen für die Wirtschaft sowie der schlechten Stimmung vieler Manager und Ökonomen, die eine globale Rezession als unvermeidlich sehen. Hinzu kamen historisch einmalige Verwerfungen an den Rohstoffmärkten: Erstmals in der Geschichte war der Preis für einen Terminkontrakt auf die US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) ins Minus gerutscht. Doch ungeachtet der skeptischen EZB-Prognose zu den konjunkturellen Aussichten der Eurozone Anfang April, die die Märkte abermals verunsichert zurückließ, haben sich inzwischen die wichtigsten Indizes von ihren Verlusten wieder erholt. Diese Kurserholung ist allerdings mit großer Vorsicht zu genießen, da sie sich als trügerisch herausstellen könnte. Denn ungeachtet der jüngsten Marktentwicklung sind die globalwirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie noch ungewiss.

Kursschwankungen bleiben erhalten

Was bleibt, ist die große Verunsicherung unter Anlegern und Investoren mit Blick auf die kommenden zwölf Monate und die berechtigte Frage, welche Anlagestrategie sich in dieser "Brave New World" mit zurückgekehrter Volatilität an den Märkten als erfolgreich identifizieren lässt. Denn auch wenn viele Kapitalmarktstrategen davon überzeugt sind, dass die globalwirtschaftlichen Folgen der Pandemie zumindest mittelfristig eingedämmt werden können und sich die Märkte wieder beruhigen werden, dürften enorme Kursschwankungen erst einmal zum Alltag gehören. Vor diesem Hintergrund rückt das Risikomanagement in den Fokus vieler Investoren. Der Unterschied in den verschiedenen Anlagestrategien liegt vor allem darin, was die Portfoliomanager unter Risiko verstehen und wie sie damit umgehen. So ist vor allem für institutionelle Investoren das Abweichen von der Benchmark eine relevante Risikogröße. Entsprechend steht für viele Fondsmanager der Tracking Error, d.h. die Abweichung der Portfoliorenditen von der Rendite eines Vergleichsindex, im Mittelpunkt des Interesses. Das ist zwar durchaus nachvollziehbar, doch wäre es falsch, einen hohen Tracking Error mit einem erhöhten Risiko gleichzusetzen und umgekehrt.

Denn was bedeutet Risiko im ursprünglichen Sinne? Für einen Anleger in Aktien entsteht Risiko aus dem Fehlen eines langfristigen Wachstumspotenzials, dem Verfall von Kapitalrenditen oder aber einer verfehlten Kapitalallokation von Unternehmen. Umgekehrt sind die richtigen Investitionen zur richtigen Zeit Quelle langfristiger unternehmerischer Wertschöpfung und des Gewinnwachstums. Fondsmanager, die Risiko demnach nicht als relative, sondern als absolute Größe verstehen, konzentrieren sich vor allem auf die Qualität der Unternehmen. Qualität wird dabei als Potenzial der Wertsteigerung durch langfristig stabiles Gewinnwachstum des jeweiligen Unternehmens definiert. Merkmale solcher Unternehmen sind zum Beispiel hohe Markteintrittsbarrieren, Preissetzungsmacht oder die Fähigkeit, wiederkehrende Erträge zu erzielen und den Marktanteil zu steigern. Dabei spielt es in der Regel keine Rolle, ob das Unternehmen in der Benchmark des Fonds zu finden ist oder nicht, da der Anlageansatz der Manager nicht von der Zusammensetzung eines Index bestimmt wird – welcher häufig auf der reinen Marktkapitalisierung der Unternehmen beruht –, sondern einzig und allein von der Qualität der jeweiligen Unternehmen.

Dieser Investmentansatz erlaubt die Konzentration auf einige wenige Titel im Portfolio. Was auf den ersten Blick nach einem erhöhten Risikopotenzial durch geringe Diversifizierung klingt, erweist sich jedoch bei näherer Betrachtung als folgerichtige Entscheidung bei der Suche nach Qualitätswachstumsaktien. So zeichnen sich Unternehmen mit den oben genannten Qualitätsmerkmalen vor allem durch eine hohe Vorhersehbarkeit des langfristigen Wachstumspfades aus. Dadurch mildern sie die Volatilität eines Portfolios und helfen, negative Überraschungen und Begleiterscheinungen zu vermeiden. Unter Berücksichtigung der noch weitgehend unbekannten Folgen der Corona-Pandemie macht es im aktuellen Marktumfeld daher wenig Sinn, mit historischen Daten und Vergleichen zu arbeiten, die im klassischen Risikomanagement immer noch häufig zum Einsatz kommen. Zumindest hat sich die konsequente Umsetzung des oben beschriebenen Qualitätswachstumsansatzes für Comgest immer wieder als nützlicher Schutzschild gegen makroökonomische Turbulenzen erwiesen. Immerhin ist dieser Ansatz, den wir als "Quality Growth" bezeichnen, seit mehr als 30 Jahren fester Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Zwar haben auch unsere Fonds seit Ausbruch der Krise in der Breite gelitten. Doch gegenüber ihren jeweiligen Vergleichsindizes fällt ihr Drawdown weit niedriger aus, sie konnten das erste Quartal 2020 mehrheitlich mit einer positiven relativen Performance abschließen.

Zuversicht für China

Doch wie sieht Qualitätswachstum in der Praxis aus? Mit Blick auf China, wo die Pandemie ihren Anfang nahm, sind wir trotz kurzfristiger Unsicherheit zuversichtlich, dass das Reich der Mitte als erstes Land zur Normalität zurückfinden wird. In China kann man die positiven Begleiterscheinungen der Pandemie beobachten. Die Digitalwirtschaft zum Beispiel gewinnt schon länger an Bedeutung. Aber infolge der Coronakrise nutzen immer mehr Chinesen das Internet, um Filme anzusehen, für Einkäufe, virtuelle Treffen und vieles mehr. Als einer der größten Profiteure der letzten Monate erweist sich dabei der Internet-Gigant Tencent, zu dessen Schwerpunkten soziale Netzwerke, Gaming und Fintech-Dienste zählen. Tencent ist ein klassischer Covid-19-Hedge, da die Menschen vermehrt zu Hause blieben und viel Zeit vor ihren Bildschirmen verbracht haben. Allerdings ist die Entwicklung auch unabhängig von der Pandemie langfristig vielversprechend.

Mit Blick auf den deutschen Markt wird deutlich, dass die Investition in Qualitätswachstumsaktien immer auch eine langfristige Perspektive braucht. Ein Beispiel ist der in München ansässige Triebwerksspezialist MTU Aero Engines, der zuletzt nach einem Kursplus von 750 Prozent im Verlauf von zehn Jahren mit Wirkung zum 23. September 2019 vom MDax in den Dax aufgestiegen ist. Die heftigen Kursverluste von MTU mögen zwar auf den ersten Blick verständlich sein. Schließlich ist der weltweite Luftverkehr wegen der Pandemie fast vollständig ausgesetzt und der Absatz von neuen Flugzeugen in den nächsten Monaten mehr als fraglich. Dennoch erscheint uns der Kursabschlag übertrieben, da das Wartungsgeschäft, das immerhin 50% des Umsatzes ausmacht, der Gesellschaft so schnell nicht wegbrechen dürfte. Sobald sich nämlich abzeichnet, dass der Luftverkehr wiederaufgenommen werden kann, dürfte sich die Nachfrage in dieser Sparte beleben. Denn nur Flugzeuge, deren technisch einwandfreier Zustand nachgewiesen werden kann, dürfen abheben.

Die Situation an den Börsen dürfte bis auf Weiteres volatil bleiben. Langfristig orientierten Investoren bietet ein solches Umfeld aber auch Gelegenheiten, zu günstigen Kursen in vielversprechende Unternehmen zu investieren. Denn bisher haben sich jene Geschäftsmodelle als resistent in der Krise erwiesen, die strenge Qualitätskriterien erfüllen. Und genau hier liegen auch die größten Chancen in der Krise.